Rabobank: EZB wird Bankeinlagensatz nicht weiter senken

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28. März 2019
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Hans Bentzien

Nach Einschätzung der Experten der Rabobank würde eine Staffelung der Einlagenzinsen zu Problemen führen: Der unbesicherte Tagesgeldzins Eonia würde steigen und damit eine geldpolitische Straffung signalisiert. Zudem würde die Zinskurve flacher werden.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihren Bankeinlagensatz nach Einschätzung der Rabobank nicht weiter senken. „Die EZB würde ein System gestaffelter Einlagenzinsen wohl deshalb einführen, um die Gewinn der Banken zu stützen und nicht, um den Einlagensatz noch weiter in das negative Territorium zu senken, um noch mehr Stimulus zu liefern", heißt es in einem Kommentar der Bank.

 

Der Einlagensatz der EZB liegt bei minus 0,4 Prozent. Im Rahmen einer Staffelung könnte für einen Teil der Bankeinlagen ein niedrigerer Zins erhoben werden. Nach Einschätzung der Experten der Rabobank würde eine Staffelung der Einlagenzinsen – auf einen Teil der Einlagen müssten 0,2 Prozent Zinsen gezahlt werden, auf einen anderen wie bisher 0,40 Prozent – aber Probleme mit sich bringen: Der unbesicherte Tagesgeldzins Eonia würde steigen, damit würde eine geldpolitische Straffung signalisiert. Außerdem würde die Zinskurve flacher werden. „An keinem von beiden hat die EZB ein Interesse“, merken die Rabobank-Experten an.

 

Am meisten nützen würde ein Staffelsystem laut Rabobank den Banken Deutschlands, der Niederlande, Luxemburgs, Finnlands und Frankreichs, da diese die meisten Überschusseinlagen bei der EZB hielten. „Verschwörungstheoretiker könnten argumentieren, dass ein gestaffelter Einlagenzins der Preis wäre, den die eher hawkishen Ratsmitglieder für eine Lockerung der Konditionen der dritten Serie langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO3) fordern könnten, von denen hauptsächlich italienische und spanischen Banken profitieren dürften“, heißt es in dem Kommentar.

 

Aktien von Banken legten zu

 

Aktien von Banken des Euroraums hatten am Mittwoch rund zwei Prozent zugelegt, nachdem Präsident Mario Draghi die Bereitschaft der EZB hatte erkennen lassen, falls erforderlich die nachteiligen Nebenwirkungen negativer Zinsen für die Gewinne der Banken abzumildern. Chefvolkswirt Peter Praet hatte später bestätigt, dass die EZB auf Arbeitsebene eine solche Option prüft.

 

Allerdings ist es laut Praet keine ausgemachte Sache, dass ein System abgestufter Einlagenzinsen kommt. „Wir müssten davon überzeugt sein, dass eine Staffelung eine effiziente Antwort auf eine geldpolitische Frage ist“, sagte Praet. Aktuell sehe er beim „Kreditkanal keine besonderen Probleme“. Laut EZB hat sich das Wachstum der Unternehmenskreditvergabe im Februar beschleunigt. (DJN)

 

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