Coface stuft Deutschland ab

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08. Juli 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Daumen runter: Coface führt Deutschland nicht mehr in der besten Länderkategorie und hat die Bundesrepublik von A1 in A2 herabgestuft. Volkswirtin Christiane von Berg erklärt dies mit einem „deutlich erhöhten Risiko in wichtigen Branchen.“ Kritisch sieht der Kreditversicherer vor allem die Sektoren Automobil und Metall sowie Pharma und Informations- und Kommunikationstechnologie. In Deutschland führt Coface die in Teilbereichen eng miteinander verbundenen Branchen Automotive und Metall nun in der Kategorie „hohes Risiko“. Die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Pharma wurden auf „mittleres Risiko“ herabgestuft. Die Automobilbranche erfuhr in 13 Ländern jeweils eine Herabstufung. Das Nachbarland Österreich fiel ebenso wie Deutschland von A1 auf A2 zurück.

Noch profitiere die deutsche Wirtschaft von einigen positiven makroökonomischen Fundamenten, wie einem guten privaten Haushaltskonsum und einem insgesamt dynamischen Arbeitsmarkt, so von Berg. Aber seit dem Jahresbeginn werde der Gegenwind stärker. Bereits im März hatte Coface die Wachstumsprognose für 2019 auf 0,8 Prozent angepasst, nachdem die Wirtschaft im Vorjahr noch um 1,5 Prozent gewachsen war. Die Industrie befinde sich in einem Abwärtstrend und erwarte keine kurz- bis mittelfristige Verbesserung der Branchenkonjunktur. Hinzu komme der negative Auftragseingang im In- und Ausland. „Motor der Abschwächung ist die deutsche Automobilindustrie.“

Die Automobilproduktion ist von einer jährlichen Rate von 5 Prozent im Februar 2017 auf rund minus 12 Prozent im Frühjahr 2019 gesunken. Eng damit verbunden ist die Metallindustrie. Hier ist der Auftragseingang seit August 2018 rückläufig. Auch die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wurde von „niedriges“ in „mittleres Risiko“ herabgestuft. Die Auslandsaufträge liegen ständig im negativen Bereich und die Produktion von Computer- und Elektronikprodukten ist seit fast sechs Monaten gegenüber dem Vorjahr rückläufig, sagt Christiane von Berg. Auch für die Pharma-Branche sieht sie ein allgemein „mittleres Risiko“. Die Margen der Pharmahersteller blieben bis Ende 2018 hoch. Allerdings fielen allmählich Schatten auf dieses positive Bild. Die nachlassende Wachstumsdynamik in der deutschen Industrie wirke sich teilweise auf die Pharmaindustrie aus; die Auftragszahlen für pharmazeutische Grundstoffe und deren Herstellung lägen seit einigen Monaten unter dem Vorjahr. Die großen deutschen Unternehmen stünden nicht mehr in der ersten Reihe, sondern seien von einem intensiven Wettbewerb bedrängt, zumal viele Lizenzen für „Blockbuster-Produkte“ ausliefen und billigere Generika auf dem Markt seien. Letztlich dürfte sich die Konjunktur- und Branchenproblematik auch auf die Insolvenzentwicklung auswirken. Hier prognostiziert Coface für Deutschland einen Anstieg von 1 Prozent, für Westeuropa sogar 2 Prozent.

Die Länderbewertung erfolgt in den Stufen A1 bis A4, B, C, D und E, Branchenrisiken werden in „sehr hoch“, „hoch“, „mittel“ und „gering“ erfasst. Anders als bei den Ratingagenturen macht die Länderbewertung von Coface keine Aussage zur Staatsbonität oder über den Wert von Staatsanleihen.  (kra)

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