Big Data in der Lebensversicherung

ERM
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07. Mai 2019
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Frank Schiller

Spätestens seit Einführung der Europäischen Datenschutzgrundverordnung stehen Big Data und Data-Analytics-Methoden im Fokus der Öffentlichkeit. Zum Einsatz kommen sie auch in der Lebensversicherung. Ziel der Assekuranz ist es, die Produkt- und Serviceangebote für Kunden zu verbessern und Prozesse zu automatisieren. Mithilfe von Big Data kann dies gelingen, allerdings sind die Herausforderungen enorm.

Big Data und künstliche Intelligenz sind große Begriffe, sie klingen nach Zukunft und werfen viele Fragen auf. Um Fragen dreht sich auch das Geschäftsmodell des mächtigsten Players in der Big-Data-Branche. Die Rede ist von Suchanfragen und Google. Der Online-Riese speichert gigantische Datenmengen. Aktuell liegt die Größenordnung in einem Bereich von 1019 Bytes. Für die Speicherung der gesamten Literatur weltweit wären gerade mal 1012 Zeichen und Buchstaben erforderlich.

Die Voraussetzungen für erfolgreiche Big-Data- Anwendungen

Wofür Google die Datenmengen nutzt? Um für mehr als 40.000 Suchanfragen pro Sekunde die bestmöglichen Treffer und passende Werbung anzuzeigen. Der Schlüssel dazu sind Algorithmen. Diese durchforsten Datensätze nach Begriffen, überprüfen die Relevanz ganzer Webseiten und zeigen Treffer an, die individuell auf den Suchenden abgestimmt sind – etwa indem sie dessen Aufenthaltsort berücksichtigen. Die Rahmenbedingungen für diese Aktivitäten bleiben immer gleich, die Algorithmen hingegen lernen mit jeder Suchanfrage eigenständig dazu, ohne dass Menschen noch groß eingreifen müssen.

Das Beispiel zeigt: Unzählige kurze Feed­back-Schleifen, konsistente Rahmenbedingungen und ein riesiger Datenpool sind ideale Voraussetzungen für Big Data und maschinelles Lernen beziehungsweise künstliche Intelligenz. Die Lebensversicherung ist von diesen Voraussetzungen weit entfernt. So verzeichnet ein typischer Berufsunfähigkeitsversicherer vielleicht ein paar Tausend Schadensfälle pro Jahr, bewegt sich also in Größenordnungen von 103 statt 1019 Bytes. Die Schadendatenbanken sind also im Vergleich zur Google-Datenbank winzig. Hinzu kommt, dass die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren in Deutschland alles andere als konsistent waren. Neue regulatorische An­forderungen, neue Berufsklassen und Unisex-Tarife sind nur einige Stichwörter, die dies belegen.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 04/2019. Die Ausgabe ist seit dem 30. April 2019 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autor:
Dr. Frank Schiller
, Leiter Actuarial & Pricing für den Bereich Leben und Kranken, Munich Re.

Bildquelle: ©B&M Noskowski | istockphoto.com